"Ich weiß aus sicherer Quelle, dass es bei Disney hochrangige Führungskräfte gibt, die wollen, dass sie Epic kaufen, und die nur auf diesen Moment warten." Das sagt Tech-Reporter Alex Heath von The Verge am 25. März im Podcast The Town with Matt Belloni. Eine Aussage, die den Kern der Sache trifft und die Gaming-Welt bereits in Aufruhr versetzt hat.
Die Sache hat jedoch einen Haken: Heath schob unmittelbar hinterher, dass es in der Führungsebene von Disney auch Leute gibt, "die das für eine schlechte Idee halten." Es handelt sich also nicht um einen Leak über einen unmittelbar bevorstehenden Deal. Vielmehr ist es ein Einblick in eine echte interne Debatte innerhalb eines der weltweit größten Unterhaltungsunternehmen, die eines der einflussreichsten Studios der Gaming-Branche betrifft – den Macher von Fortnite.
Wie es zu dieser Situation bei Epic kam
Epic Games hat eine wirklich schwierige Phase hinter sich. Die Spielerzahlen von Fortnite sind im Laufe des Jahres 2025 spürbar gesunken, und das Unternehmen räumte ein, "deutlich mehr auszugeben, als wir einnehmen", bevor über 1.000 Stellen gestrichen wurden. Das ist keine kleine Korrektur, sondern ein Unternehmen unter massivem finanziellen Druck, obwohl im letzten Jahr über $6 Milliarden Umsatz generiert wurden. Die Rechnung ging offensichtlich nicht auf.
Die Entlassungen trafen das Unternehmen so hart, dass sich Epic-CEO Tim Sweeney öffentlich entschuldigen musste, nachdem bekannt wurde, dass bei einem entlassenen Mitarbeiter mit unheilbarem Hirntumor die Lebensversicherung in diesem Prozess falsch gehandhabt wurde. Die Entwickler von Fortnite selbst warnten, dass die Kürzungen einen "riesigen Einfluss auf die Entwicklung für den Rest des Jahres und wahrscheinlich darüber hinaus" haben würden. Das Studio, das eines der meistgespielten Games auf dem Planeten entwickelt hat, befindet sich nun in sehr unruhigem Fahrwasser.
Disneys bestehende Beteiligung und die Befürworter einer Übernahme
Disney ist kein Unbekannter für Epic. Das Unternehmen investierte 2024 stolze $1.5 Milliarden in Epic, mit dem erklärten Ziel, einen von Disney geleiteten Modus innerhalb von Fortnite aufzubauen, der damals als eine Art "virtuelles Disneyland" und als große Gaming-Plattform für das Unternehmen beschrieben wurde. Diese Investition verschaffte Disney ein echtes Mitspracherecht.
Sweeney selbst lobte die "Geschwindigkeit" der Zusammenarbeit zwischen Epic und Disney, was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, wie offen er gegen andere Tech-Giganten wie Apple und Google gekämpft hat. Die Beziehung wirkt, zumindest nach außen hin, funktional.
Hinter dem Vorstoß für eine vollständige Übernahme steht auch ein Name. Kevin Mayer, ehemaliger Disney-Manager und aktueller Co-CEO bei Candle Media, sagte im März gegenüber CNBC, dass "Epic oder ein anderes Gaming-Asset eine großartige Ergänzung für das Portfolio der The Walt Disney Company wäre." Er äußerte sich in diesem Kontext zum Amtsantritt des neuen Disney-CEO Josh D'Amaro. D'Amaro galt Berichten zufolge als einer derjenigen, die das ursprüngliche Fortnite-Investment stark befürwortet haben. Das ist kein Zufall, den man ignorieren sollte.

Epic Games HQ, Cary NC
Warum das Ganze nicht so einfach ist
Der entscheidende Punkt ist, dass Epic nicht börsennotiert ist. Wie Heath seinem Podcast-Publikum in Erinnerung rief, ist es ein gründergeführtes Unternehmen, was bedeutet, dass Tim Sweeney bei jedem Verkauf das letzte Wort hat. Sweeney hat jahrelang daran gearbeitet, Epic als unabhängiges Gegengewicht zu den Plattform-Giganten zu positionieren. Ein Verkauf an Disney wäre eine komplette Abkehr von dieser Identität.
Man muss auch die interne Spaltung bei Disney berücksichtigen. Heaths Darstellung war eindeutig: Einige Führungskräfte wollen es, andere halten es für eine schlechte Idee. Solche Konflikte lösen sich selten schnell, und da sich ein neuer CEO erst noch einarbeiten muss, ist eine milliardenschwere Gaming-Übernahme nicht gerade ein risikoarmer erster Schritt.
Was dieser Moment wirklich widerspiegelt, ist, wie sehr sich die Position von Fortnite verändert hat. Vor einem Jahr hat niemand ernsthaft die Idee einer Übernahme von Epic in den Raum gestellt. Jetzt, da die Spielerbindung nachlässt und das Unternehmen in großem Stil umstrukturiert wird, hat sich das Gespräch gewandelt. Ob Disney letztlich handelt oder nicht – die Tatsache, dass die Frage überhaupt gestellt wird, sagt viel über den aktuellen Stand von Epic aus.
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