„Ich habe die Entscheidung getroffen, nicht weiter daran zu arbeiten“, sagte Ninja Theory Studioleiter Dom Matthews in einem Xbox Wire-Post nach dem Xbox Games Showcase. „Solche Entscheidungen sind nie leicht, aber ich habe sie getroffen, um die Gelegenheit zu nutzen, das gesamte Talent und die Expertise des Studios – alle 85 Kreativen – gemeinsam daran arbeiten zu lassen, das Potenzial dessen auszuschöpfen, was Senua sein kann.“
Dieses Zitat sagt alles darüber aus, wo die Prioritäten von Ninja Theory nun liegen. Project Mara ist eingestellt, und die gesamte Belegschaft des Studios ist auf ein Ziel ausgerichtet: das neu angekündigte dritte Hellblade-Spiel mit dem schlichten Titel Senua.

Project Maras eingestelltes Setting
Was Project Mara eigentlich war
Project Mara wurde bereits im Januar 2020 angekündigt und war eines der ungewöhnlicheren Projekte in der Pipeline von Ninja Theory. Das Konzept war minimalistisch: Ein fotorealistisches Setting in einem einzelnen Apartment, das dazu diente, den Horror des Geistes so präzise wie möglich zu rekonstruieren. Dabei stützte man sich auf Berichte aus realen Lebenserfahrungen und tiefgehende Forschung zum Thema psychischer Terror.
Das Studio beschrieb es als experimentellen Titel, der zu einem neuen Storytelling-Medium werden könnte. Keine weitläufige Open World, keine Kampfsysteme, keine traditionelle Game-Struktur. Nur ein Raum, gerendert in außergewöhnlichem Detailgrad, darauf ausgelegt, dem Spieler das Gefühl zu geben, dass sich der eigene Verstand gegen einen selbst richtet.
Es war wirklich anders als alles andere, was sich zu dieser Zeit in der Entwicklung befand. Das machte es spannend. Es machte es aber auch zu der Art von Projekt, die enorme kreative Kapazitäten erfordert, um es erfolgreich umzusetzen.
Warum Senua die Kalkulation änderte
Die Sache ist die: Ninja Theory jongliert seit Jahren mit mehreren Projekten. Als Project Mara 2020 angekündigt wurde, arbeitete das Studio gleichzeitig an Senua's Saga: Hellblade II und hatte kurz zuvor Bleeding Edge veröffentlicht, seinen Multiplayer-Brawler, der nie sein Publikum fand.
Senua, der neue dritte Teil der Hellblade-Serie, stellt etwas anderes dar als das, was zuvor kam. Matthews bestätigte, dass das neue Spiel eine umfangreichere, Gameplay-getriebene Interpretation des Franchise ist und das erste Mal, dass das gesamte Team von Ninja Theory seit DmC: Devil May Cry im Jahr 2013 an einem einzigen Projekt arbeitet. Dieser Wechsel im Scope erklärt, warum etwas weichen musste.
85 Leute auf ein Spiel anzusetzen, ist eine bedeutende Wette. Dieses Talent auf ein experimentelles Kurzformat-Horrorstück und einen vollwertigen Action-Titel aufzuteilen, war offenbar nicht länger tragbar.
Der rote Faden der psychischen Gesundheit bleibt bestehen
Die Einstellung von Project Mara schmerzt unter anderem deshalb, weil die Thematik so eng mit dem verbunden schien, was Hellblade: Senua's Sacrifice ursprünglich bei den Spielern so erfolgreich machte. Die Darstellung von Psychosen im ersten Spiel, die unter Einbeziehung von Neurowissenschaftlern und Menschen mit entsprechenden Erfahrungen entstand, setzte Maßstäbe dafür, wie Spiele mit psychischer Gesundheit umgehen können.
Die gute Nachricht ist, dass Senua dieses Terrain nicht verlässt. Matthews bestätigte, dass das neue Spiel vertraute Themen erkunden wird, und der Reveal-Trailer zeigt bereits die flüsternden Stimmen in Senuas Kopf, die die ersten beiden Spiele prägten. Das Studio kehrt dieser Arbeit nicht den Rücken, sondern integriert sie in einen größeren Rahmen.
Was das für die Hellblade-Serie in Zukunft bedeutet
Die Hellblade-Spiele waren schon immer Adventure-Games, die Atmosphäre und psychologisches Gewicht über traditionelle Gameplay-Loops stellten. Senua klingt danach, als würde es diese Formel in Richtung etwas mechanisch Substanziellerem vorantreiben, ohne die Kernidentität zu verlieren.
Diese Balance zu finden, ist schwieriger als es klingt. Das ursprüngliche Hellblade funktionierte gerade deshalb so gut, weil es schlank und fokussiert war. Senua's Saga: Hellblade II setzte noch stärker auf cineastische Präsentation. Nun verspricht das Studio etwas Umfangreicheres, bei dem alle Beteiligten mit an Bord sind. Ob dies das bisher beste Hellblade-Spiel hervorbringt oder die Intimität verliert, die die Serie so besonders gemacht hat, ist die eigentliche Frage, die über dieser Ankündigung schwebt.
Die Einstellung von Project Mara bestätigt, was seit Monaten gemunkelt wurde: Ninja Theory hat den Fokus bereits lange vor dieser offiziellen Ankündigung vom experimentellen Horrorprojekt abgezogen. Das Studio hat seine Wahl getroffen, und nun läuft die Uhr in Richtung 2027.
Für Spieler, die sich auf das Kommende vorbereiten wollen, sind die Senua's Saga: Hellblade II Guides ein guter Ort, um die Welt noch einmal zu besuchen, bevor das neue Kapitel erscheint.









