Overview
Alice: Madness Returns versetzt die Spieler in die Rolle der 19-jährigen Alice Liddell im viktorianischen London des Jahres 1875, die noch immer von dem Feuer heimgesucht wird, bei dem ihre Familie Jahre zuvor ums Leben kam. Unter der Obhut des Psychiaters Dr. Angus Bumby verfällt sie immer wieder in lebhafte Halluzinationen vom Wunderland – einem Ort, der einst ihr mentaler Zufluchtsort war, nun aber von einer Macht namens Infernal Train in Stücke gerissen wird. Die zentrale Frage des Spiels ist nicht nur, ob Alice das Wunderland retten kann. Es geht darum, ob die Wahrheit, der sie nachjagt, überhaupt etwas ist, das sie finden will.
Spicy Horse entwickelte das Spiel als direkten Nachfolger zu American McGee's Alice (2000), und diese Abstammung ist unverkennbar. Der Ton bleibt über alle sechs Kapitel hinweg gnadenlos düster, wobei jedes Kapitel in einem eigenen, korrumpierten Biom mit individueller visueller Identität und speziellen Gegnertypen spielt. Die Wunderland-Abschnitte machen den Großteil des Gameplays aus, unterbrochen von kurzen Rückkehrten in ein grimmiges, graues London, die den psychologischen Ernst der Lage in der Realität verankern.

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Gameplay und Mechaniken
Das Kampfsystem ist ein Third-Person-Hack-and-Slash mit einem kleinen Arsenal an aufrüstbaren Nahkampfwaffen. Jede Waffe erfüllt eine andere Rolle:

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- Vorpal Blade: schnelle Standardangriffe mit geringem Schaden
- Hobby Horse: langsamer Crowd-Control-Angriff mit hoher Wucht
- Teapot Cannon: explosive Fernkampfangriffe
- Pepper Grinder: Schnellfeuer-Unterdrückung
- Umbrella: Projektil-Reflektion und Blocken
Waffen werden mit Zähnen aufgerüstet, der Währung des Spiels, die man von besiegten Gegnern erhält und in den Levels findet. Außerhalb der Kämpfe verfügt Alice über Bewegungsfähigkeiten wie einen schwebenden Doppelsprung mit ihrem Kleid, eine Schrumpf-Mechanik, die versteckte Pfade und Texte enthüllt, sowie eine Ausweichrolle mit kurzen Unverwundbarkeits-Frames. Die Platforming-Passagen setzen stark auf präzises Springen und Gegner-Arenen, die einen beträchtlichen Teil der Spielzeit jedes Kapitels ausmachen.

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Welt und Setting: Was ist mit dem Wunderland passiert?
Jedes der sechs Kapitel führt Alice durch eine völlig andere Version des Wunderlands. Die Hatter's Domain ist ein Steampunk-Albtraum aus Zahnrädern und Body-Horror. Die Domäne des Dollmaker gegen Ende entzieht der Welt jegliche Farbe. Bekannte Charaktere wie die Cheshire Cat, der Mad Hatter, die Caterpillar und die Red Queen kehren zurück, doch jeder von ihnen wurde durch die Korruption des Infernal Train verzerrt oder geschwächt. Die Cheshire Cat fungiert als Alices primärer Guide, und seine Dialoge tragen den Großteil des trockenen, verstörenden Humors des Spiels.
Die Geschichte in der realen Welt, die unter den Wunderland-Kapiteln abläuft, ist der Grund für den guten Ruf des Schreibstils. Das Geheimnis um Dr. Bumby baut sich langsam auf, und die Enthüllung im letzten Akt ist wahrhaft düster. Das Spiel beschönigt nicht, was mit Alices Familie oder den Kindern in Bumbys Obhut passiert ist. Diese Bereitschaft, sich voll und ganz auf die dunklen Themen einzulassen, unterscheidet es von Spielen, die Horror-Ästhetik nur als Fassade nutzen, ohne sie erzählerisch zu untermauern.
Visuelles und Audio-Design
Die Art Direction ist die größte Stärke des Spiels. Jedes Kapitel hat eine völlig eigene visuelle Palette, vom bonbonfarbenen Grotesken der ersten Domäne bis zur Tinte-und-Papier-Ästhetik der Welt des Dollmaker. Die Charakterdesigns der Gegner sind durchweg fantasievoll und basieren auf verzerrten Versionen von viktorianischem Spielzeug, Spielkartensoldaten und Karnevals-Motiven.
Der Soundtrack von Jason Tai und das Audio-Design ergänzen die Optik, ohne sie zu überlagern. Kampfgeräusche sind knackig und befriedigend, und das Ambient-Audio in jedem Kapitel passt sich dem Thema des Bioms an. Alices Voice-Acting erdet den Charakter sowohl in den London-Sequenzen als auch in den zunehmend surrealen Wunderland-Kapiteln.

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Einfluss und Vermächtnis
Alice: Madness Returns besetzt eine spezielle Nische im Action-Platformer-Genre als ein Spiel, das Atmosphäre und erzählerisches Gewicht über mechanische Komplexität stellt. Das Kampfsystem ist nach modernen Standards nicht besonders tiefgründig, und die Platforming-Abschnitte ziehen sich gelegentlich etwas in die Länge. Aber als Stück Dark-Fantasy-Storytelling, das sich um Trauma und Erinnerung dreht, ist es absolut zeitlos. Die Struktur aus sechs Kapiteln gibt jeder Wunderland-Domäne Raum, eine eigene Identität zu entwickeln, und der Payoff im letzten Akt rechtfertigt den Aufbau. Für Spieler, die einen Hack-and-Slash-Platformer mit echtem psychologischem Horror im Kern suchen, bleibt dies eines der saubersten Beispiele dieses Genres.







