Überblick
Child of Light, entwickelt von Ubisoft Montréal und veröffentlicht im April 2014, ist ein Side-Scrolling-RPG, das sich an klassischen japanischen Rollenspielen orientiert und diese in die Ästhetik eines westlichen Märchens hüllt. Aurora, ein junges Mädchen aus dem Österreich des Jahres 1895, findet sich nach einem mysteriösen Schlaf auf dem magischen Kontinent Lemuria wieder. Die Schwarze Königin hat Sonne, Mond und Sterne gestohlen und die Welt in Dunkelheit gestürzt – und Aurora ist die Einzige, die sie zurückbringen kann.
Was Child of Light sofort auszeichnet, ist das UbiArt Framework, dieselbe Engine, die auch hinter Rayman Origins und Legends steckt. Jede Umgebung wirkt handgezeichnet, mit vielschichtigen Aquarell-Hintergründen und einer sanften Beleuchtung, die sich im Verlauf der Geschichte verändert. Die Art Direction ist dabei nicht nur dekorativ; sie ist ein zentraler Bestandteil davon, wie das Spiel Stimmung und Dramatik während seiner etwa 12-stündigen Kampagne vermittelt.
Gameplay und Mechaniken
Das Herzstück von Child of Light ist ein Active-Time-Battle-System, das jedem bekannt vorkommen dürfte, der Final Fantasy IV oder VI gespielt hat. Zwei Gruppenmitglieder treten auf einer gemeinsamen Timeline gegen Gegner an, und die wichtigste Mechanik ist das Unterbrechen: Wenn man einen Gegner trifft, während sich seine Cast-Bar füllt, wird er an den Anfang seines Zuges zurückgeworfen. Dies schafft eine Ebene taktischer Entscheidungen, die weit über die bloße Wahl der stärksten Attacke hinausgeht.

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Zu den wichtigsten Mechaniken gehören:
- Timeline-basiertes Kampfsystem mit Unterbrechungs-Mechanik
- Igniculus, das Glühwürmchen, verlangsamt Gegner im Kampf
- Skill-Trees für jedes Gruppenmitglied
- Drop-in-Koop für einen zweiten Spieler, der Igniculus steuert
- Sammelbare Oculi-Edelsteine zur Stat-Anpassung
Igniculus, Auroras Glühwürmchen-Begleiter, spielt eine Doppelrolle. Bei der Erkundung sammelt er Items und beleuchtet versteckte Pfade. Im Kampf kann ein zweiter Spieler die Kontrolle über ihn übernehmen, um Gegner zu verlangsamen oder Auroras Gruppe zu heilen, wodurch sich der Koop-Modus sinnvoll und nicht aufgesetzt anfühlt.

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Welt und Setting
Lemuria ist in eine Handvoll unterschiedlicher Biome unterteilt, von denen jedes mit einem der gestohlenen Lichter verknüpft ist. Wälder, Unterwasserruinen, Berggipfel und korrumpierte Schlösser haben jeweils ihre eigene visuelle Identität und Gegnertypen. Die Welt erweitert sich spürbar, während Aurora Sonne, Mond und Sterne zurückgewinnt, wodurch zuvor dunkle Bereiche zugänglich werden und ihr Aussehen verändern.
Die Geschichte wird komplett in Reimform erzählt – eine Entscheidung, die leicht als Spielerei hätte wirken können, aber größtenteils wunderbar funktioniert. Manche Zeilen sitzen besser als andere, aber das Festhalten an diesem Format verleiht Child of Light einen konsistenten Märchen-Stil, den nur wenige Spiele wagen. Die Riege exzentrischer Begleiter, vom sprechenden Mäuserich bis zum Hofnarren, erhält jeweils eine eigene Hintergrundgeschichte, die in die Verse eingewoben ist.

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Visuelles und Audio-Design
Der Score, komponiert von Béatrice Martin (musikalisch bekannt als Cœur de pirate), ist eine der prägenden Eigenschaften des Spiels. Der Soundtrack setzt stark auf Klavier und Streicher und passt perfekt zur Aquarell-Ästhetik mit einer Musik, die zart wirkt, ohne in Vergessenheit zu geraten. Die Tracks wechseln dynamisch während der Kämpfe, um die Spannung hochzuhalten, ohne die traumartige Atmosphäre zu zerstören.
Das UbiArt Framework ermöglicht ein Maß an visueller Detailtiefe, das weit über dem Budget des Spiels liegt. Parallax-Scrolling verleiht den Umgebungen echte Tiefe, und Auroras Haare sowie ihre Flügel animieren mit einer Geschmeidigkeit, die auch über ein Jahrzehnt nach der Veröffentlichung noch beeindruckt.
Ist Child of Light für RPG-Fans einen Blick wert?
Für Spieler, die rundenbasierte RPGs mit einer starken Art Direction genießen, bietet Child of Light ein fokussiertes, handwerklich exzellentes Erlebnis. Die Kämpfe belohnen aufmerksames Spiel, die Welt bietet genug Abwechslung, um interessant zu bleiben, und die Koop-Option ist eine entspannte Möglichkeit, das Spiel mit jemandem zu teilen, der vielleicht kein Hardcore-RPG-Spieler ist. Es überreizt seine Spielzeit nicht, und genau diese Zurückhaltung macht es so unvergesslich.

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