Falls du jemals davon geträumt hast, mit einem eigenen Avatar in die Welt von Sword Art Online einzutauchen und Aincrad Ebene für Ebene zu durchqueren, dann ist Echoes of Aincrad so nah an der Realität, wie es diese Fantasy-Welt bisher jemals war. Das Action-RPG von Bandai Namco bietet derzeit eine kostenlose Demo während des Steam Next Fest an und hat es in den Charts der meistgespielten Titel des Events bereits auf den dritten Platz geschafft. Ein solches Interesse für ein Anime-lizenziertes RPG ist schwer zu ignorieren, besonders wenn man bedenkt, wie überlaufen dieses Next Fest ist.
Das Problem ist nur: Die Demo erzählt zwei völlig unterschiedliche Geschichten, je nachdem, ob man nur auf den Bildschirm schaut oder das Gameplay tatsächlich selbst erlebt.

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Die visuelle Qualität, auf die SAO-Fans gewartet haben
Auf rein ästhetischer Ebene ist Echoes of Aincrad die überzeugendste digitale Nachbildung des SAO-MMOs, die das Franchise je hervorgebracht hat. Die Charaktermodelle sind exzellent. Die Menüs, UI-Overlays und grafischen Effekte wirken sofort wie Sword Art Online, und das Full-Dive-MMO-Konzept, bei dem Spieler physisch in ihre digitalen Körper innerhalb der Spielwelt schlüpfen, wurde mit viel Sorgfalt in das Singleplayer-Format übertragen. Bandai Namco hat klugerweise den Teil weggelassen, bei dem ein In-Game-Tod auch im echten Leben tödlich ist – eine durchaus vernünftige Design-Entscheidung.
Die Startumgebung wirft die Spieler in einen Höhlentempel voller Kobold-Gegner auf einer der unteren Ebenen von Aincrad. Es ist nicht das inspirierendste Setting, aber das Art-Design ist solide. Städte und NPC-Hubs wirken authentisch. Die Welt besitzt den Umfang, den SAO-Fans von der Vorlage erwarten.
Was die meisten Spieler in den ersten Minuten übersehen, ist, wie oberflächlich dieser Reiz ist. Sobald der Fokus auf dem Kampfsystem liegt, klafft die Lücke zwischen Präsentation und technischer Umsetzung schnell auf.
Wo das Kampfsystem den Faden verliert
Das Kampfsystem der Demo bietet leichte Angriffe, schwere Angriffe, Blocks, Paraden, Konter und eine grundlegende Party-Koordination mit einer kleinen Gruppe von NPCs. Die Parry-Mechanik fühlt sich isoliert betrachtet sogar reaktionsschnell und befriedigend an. Das Problem ist, dass sich nichts zu einem flüssigen Ablauf zusammenfügt.
Angriffe wirken abgehackt, was den Spielfluss komplett ausbremst. Es gibt kaum nennenswerte Combos, und die Gegner auf der ersten Ebene sind so passiv, dass sie eher wie Hindernisse als wie Bedrohungen wirken. Selbst der Boss-Fight lässt es an Präsenz oder Spannung vermissen. Dem Core-Loop fehlt einfach die Energie, die diese IP verdient, und kein bisschen Nostalgie kann das kaschieren.
Hier geht es nicht darum, ob das Spiel zu schwer oder zu leicht ist. Dem Kampfsystem fehlt schlicht die Responsivität, die ein gutes Action-RPG ausmacht. Fans von etwas hakeligen Anime-Actionspielen – und davon gibt es viele – finden hier vielleicht Gefallen, aber das Fundament muss vor dem Full Release noch deutlich nachgebessert werden.
Eine Welt, die größer wirkt, als sie ist
Abseits der Kämpfe werfen die offenen Areale der Demo Fragen zum World-Design auf. Die Ebenen von Aincrad sollen sich wie lebendige MMO-Zonen anfühlen, jede mit ihrem eigenen Charakter und Geheimnissen. Was die Demo stattdessen zeigt, sind weitläufige Umgebungen, die spärlich bevölkert sind und bei denen die Gegnerplatzierung eher routiniert als durchdacht wirkt.
Die Charaktermodelle tragen die visuelle Last in Städten und Cutscenes, doch der Hauptcharakter wirkt in Gesprächen seltsam ausdruckslos, was den Rollenspiel-Aspekt untergräbt, auf dem das gesamte Konzept basiert. Für ein Spiel, das die Fantasie verkauft, der eigene Held im SAO-Universum zu sein, ist das eine spürbare Schwäche.
Frühere SAO-Spiele, darunter Sword Art Online: Hollow Realization, haben bereits Präzedenzfälle dafür geschaffen, wie man die MMO-Struktur des Animes mit unterschiedlichem Erfolg in eine spielbare Form übersetzt. Echoes of Aincrad zielt produktionstechnisch eindeutig höher, und in einigen Bereichen zahlt sich das aus. Der Anspruch an die Welt konnte jedoch noch nicht mit dem visuellen Anspruch mithalten.
Was die Next Fest-Zahlen wirklich bedeuten
Der dritte Platz beim Steam Next Fest ist keine Kleinigkeit. Dieses Event bietet hunderte Demos gleichzeitig, und in den Top 3 zu landen bedeutet, dass ein signifikanter Teil der PC-Spieler aktiv neugierig auf Echoes of Aincrad ist. Die SAO-Fanbase ist groß und wartet schon lange auf ein Spiel, das die Identität des Animes wirklich einfängt.
Der entscheidende Punkt ist, dass Wishlist-Zahlen und Demo-Downloads das Interesse an der IP genauso messen wie das Vertrauen in das Spiel selbst. Die Spieler wollen, dass es gut wird. Dieser Enthusiasmus ist echt und spiegelt sich in den Charts wider. Ob das fertige Spiel diesen Goodwill in echte Zufriedenheit umwandeln kann, hängt ganz davon ab, wie sehr sich das Kampfsystem und das World-Design bis zum Launch noch verbessern.
Für Fans von Adventure-Spielen mit starken Anime-Wurzeln befindet sich Echoes of Aincrad in einer interessanten Position: zu poliert, um es abzutun, aber zu ungeschliffen, um sich schon voll darauf einzulassen.
Das vollständige Spiel hat außer seiner Steam-Seite noch kein bestätigtes Release-Datum. Wenn du dir vorher eine eigene Meinung bilden möchtest: Die Demo ist kostenlos und in etwa einer Stunde durchspielbar. Für einen breiteren Überblick, was sich bei diesem Next Fest sonst noch lohnt, bietet der Gaming-Guides-Hub Berichterstattung zu den anderen herausragenden Demos, die einen Blick wert sind.

