Sony hat die Kommentarfunktion für den Phantom Blade Zero State of Play-Livestream offen gelassen. Das stellte sich als eine bewusste Entscheidung heraus.
Phantom Blade 0, der actiongeladene Titel des Entwicklers S-Game, sollte eigentlich der Star der Show sein. Stattdessen wurden sowohl der YouTube- als auch der Twitch-Chat sofort mit „No Disc No Buy“-Nachrichten überflutet, was jede ernsthafte Diskussion über das Spiel selbst im Keim erstickte. Der Protest war angesichts des Kontextes absolut vorhersehbar, doch Sony hielt dennoch an den Live-Kommentaren fest.
Die Kommentare, die einen Game-Reveal begruben
„Werde es kaufen, wenn es PHYSISCH verfügbar ist“, lautete ein Kommentar im Stream-Chat. „Wow! Es mag toll aussehen, aber auf Disc sieht es besser aus! Also sorgt dafür, dass das passiert und auch so bleibt“, schrieb ein anderer. Ein Zuschauer schlug eine völlig andere Richtung ein: „Gibt es Donnie Yen auf Disc?“
Nichts davon hat etwas mit S-Game oder Phantom Blade Zero selbst zu tun. Das Spiel ist lediglich der neueste PlayStation-Titel, der in das Kreuzfeuer eines weitaus größeren Konflikts zwischen Sony und seiner eigenen Player-Base geraten ist – ausgelöst durch die Entscheidung des Unternehmens, die Produktion physischer Discs für neue Spiele ab Januar 2028 einzustellen.
Wie der Boykott tatsächlich aussieht
Der Backlash baut sich schon seit Monaten auf und hat nun eine konkrete Aktionsform angenommen. Der Account Does It Play? auf X hat zu einem umfassenden „PSBlackout“ aufgerufen, der von Sonntag, dem 23. August um 19:00 Uhr Ortszeit, bis Sonntag, dem 30. August um 19:00 Uhr Ortszeit, läuft. Dieser Beitrag wurde auf der Plattform bereits über 2 Millionen Mal angesehen.
Der Aufruf zum Handeln geht über das reine Disc-Thema hinaus. Das Statement, das den Boykott unterstützt, führt Studio-Schließungen (darunter Bluepoint), eine „fehlgeleitete Live-Service-Strategie“, die Vernachlässigung von PS VR2 sowie das Fehlen von Franchises wie Twisted Metal, SOCOM, Sly Cooper und Resistance als zusätzliche Kritikpunkte auf. Die Einstellung physischer Discs, so das Statement, „fühlt sich wie der letzte Tropfen an, der das Fass zum Überlaufen bringt“.
Der Boykott fordert Spieler dazu auf, sich für sieben Tage auszuloggen oder ihre Konsolen komplett ausgeschaltet zu lassen, um Sonys Plattformen wirtschaftlich zu treffen, ohne dabei – wie die Organisatoren es ausdrücken – „minimalen Einfluss“ auf Third-Party-Publisher und Entwickler zu haben.
Sonys Position in Zahlen
Sony hat auf den Backlash bereits direkt reagiert, und die Antwort lautete im Wesentlichen: Die Daten stützen die Entscheidung. Die neuesten Finanzzahlen des Unternehmens zeigen ein 82% Digital-Download-Verhältnis für Vollpreis-Spiele auf PS4 und PS5. Darüber hinaus haben im Jahr 2026 bisher nur sieben PlayStation-Spiele in den USA mehr als 100.000 physische Einheiten verkauft, wobei in der Woche bis zum 11. Juli nur zwei Titel die Marke von 10.000 physischen Einheiten überschritten haben.
Die finanzielle Logik ist simpel. Bei einem First-Party-Digitalverkauf über den PlayStation Store behält Sony 100% des Umsatzes. Bei einer physischen Kopie desselben Spiels gehen etwa 30% an den Einzelhandel und rund 5% decken die Herstellungskosten ab, sodass Sony etwa 65% bleiben. Bei Third-Party-Digitalverkäufen nimmt Sony eine Gebühr von 30%, verglichen mit einer Lizenzgebühr von etwa 15% bei physischen Kopien.
Sony-Führungskräfte haben die „starken Meinungen“ der Community zwar zur Kenntnis genommen, erklärten jedoch, dass sie aktuell und in Zukunft keine negativen Auswirkungen auf das Geschäft sehen und die Entscheidung nicht rückgängig machen werden.
Stimmen aus der Industrie
Sony ist mit dem Vorstoß in Richtung „All-Digital“ nicht allein. Take-Two-Chef Strauss Zelnick verteidigte kürzlich die Entscheidung, GTA 6 nicht auf physischen Medien zu veröffentlichen. Er verglich Disc-Releases mit Vinyl-Schallplatten und argumentierte, dass sie für große Neuerscheinungen „für den Konsumenten keinen wirklichen Sinn mehr ergeben“.
Die britische Digital Entertainment and Retail Association (ERA) vertrat den gegenteiligen Standpunkt und bezeichnete Sonys Politik als „einen Triumph unternehmerischer Bequemlichkeit über die Wahlfreiheit der Konsumenten“.
Analysten sind sich in einem Punkt einig: Es ist unwahrscheinlich, dass Sony den Kurs ändert. Der Wechsel zu „All-Digital“ erhöht die Margen in einer Zeit, in der die Hardware-Kosten für Konsolen steigen und die Stückzahlen voraussichtlich sinken werden.
Was das für Phantom Blade Zero bedeutet
Phantom Blade Zero soll am 29. Oktober 2026 für PS5 und PC erscheinen. Das Spiel selbst sieht wirklich vielversprechend aus, und S-Game hat hier nichts zu rechtfertigen. Aber da der Boykott in wenigen Tagen beginnt und Sonys Disc-Politik weiterhin fest verankert ist, sollte man davon ausgehen, dass die Kommentarspalten bei allen Inhalten mit PlayStation-Bezug noch eine Weile lautstark bleiben werden.
Falls Sie planen, sich das Spiel unabhängig vom Format zu holen, bietet der Phantom Blade Zero Pre-Order-Guide eine Übersicht der verfügbaren Editionen, Boni und PC-Systemanforderungen vor dem Launch-Tag.









