Overview
Uncharted: The Lost Legacy erschien am 22. August 2017 als erster Standalone-Titel in Naughty Dogs langjähriger Action-Adventure-Reihe – und dieser Status ist absolut verdient, ohne dass sich das Spiel auf Nathan Drakes Lorbeeren ausruhen muss. Das Spiel folgt Chloe Frazer, einer Serien-Veteranin, die drei Spiele lang als schlagfertige Sidekick-Figur fungierte und nun den Auftrag hat, den Tusk of Ganesh zu bergen, bevor ein skrupelloser Warlord namens Asav ihn nutzen kann, um einen Bürgerkrieg in Indien zu entfachen. Um dies zu erreichen, rekrutiert sie Nadine Ross, die Söldner-Kommandantin aus Uncharted 4, und die Reibereien zwischen den beiden treiben die Story genauso voran wie jede Schießerei.
Das Setting verdient besondere Aufmerksamkeit. Die Region der Westghats bietet den Künstlern von Naughty Dog eine visuell völlig neue Palette im Vergleich zu den Dschungeln und Ruinen früherer Teile. Uralte Hoysala-Tempel, vom Monsun getränkte Wälder und zerfallende Festungen füllen den Bildschirm mit einer Art von Umgebungsdichte, die das Erkunden belohnend statt obligatorisch wirken lässt. Das Spiel nutzt dieselbe Engine wie Uncharted 4, und die visuelle Qualität überzeugt ohne Kompromisse.
Gameplay und Mechaniken
Der Core-Loop wird jedem, der die Hauptreihe gespielt hat, sofort vertraut vorkommen: Third-Person-Cover-Shooting, Kletter-Sequenzen und Umgebungsrätsel, die durch cineastische Set Pieces miteinander verbunden sind. The Lost Legacy erfindet diese Systeme zwar nicht neu, setzt sie aber mit absoluter Präzision um.

Zu den wichtigsten Gameplay-Features gehören:
- Stealth-Takedowns und optionale, nicht-tödliche Vorgehensweisen
- Rope-Swinging-Traversal, übernommen aus Uncharted 4
- Fahrzeug-Erkundung in einer weitläufigen Hoysala-Region
- Umgebungsrätsel, die mit der Hoysala-Geschichte verknüpft sind
- Koop-Survival-Multiplayer-Modus
Das offene Kapitel in der Hoysala-Region sticht als ambitionierteste Design-Entscheidung des Spiels hervor. Spieler steuern einen Jeep durch ein großes Areal und müssen drei Token-Fragmente in beliebiger Reihenfolge finden, bevor es weitergeht. Es ist zwar keine komplette Open World, aber es bricht die typisch lineare Struktur der Serie auf eine Weise auf, die sich für die Spieldauer erstaunlich weitläufig anfühlt.

Welt und Setting
Die Entscheidung, The Lost Legacy in Indien anzusiedeln, verleiht dem Spiel eine visuelle und kulturelle Identität, die sich deutlich vom Rest der Serie abhebt. Die Hoysala-Architektur mit ihren detailreich gemeißelten Steinoberflächen und gestuften Türmen dient sowohl als Kulisse als auch als Rätsel-Mechanik. Chloes persönliche Verbindung zu der Region, die in der archäologischen Arbeit ihres Vaters wurzelt, verleiht dem, was sonst eine einfache Schatzsuche hätte sein können, emotionale Tiefe.

Nadines Rolle als Gegenpart funktioniert hier deutlich besser als ihre Rolle als Antagonistin in Uncharted 4. Die beiden Charaktere misstrauen sich zu Beginn, und zu beobachten, wie sich diese Beziehung durch gemeinsame Gefahren und ehrliche Gespräche wandelt, verleiht der Story echtes Gewicht. Die Voice-Performances von Claudia Black und Laura Bailey tragen das Material absolut überzeugend.

Impact und Legacy
Mit etwa sechs bis acht Stunden Spielzeit bewegt sich The Lost Legacy in einem interessanten Bereich: länger als die meisten DLCs, kürzer als ein Haupttitel. Naughty Dog entwickelte es ursprünglich als Download-Content für Uncharted 4, bevor der Umfang zu einem Standalone-Release erweitert wurde. Dieser Ursprung zeigt sich in der straffen Inszenierung des Pacing, bei dem kaum Füllmaterial die Spielzeit unnötig in die Länge zieht.
Das Spiel ist auf PlayStation und PC als Teil der Uncharted: Legacy of Thieves Collection erhältlich, die es zusammen mit Uncharted 4: A Thief's End bündelt. Für Spieler, die mit den Drake-zentrierten Geschichten nicht warm wurden oder einfach ein fokussiertes Action-Adventure-Puzzle-Spiel mit zwei der besten Side-Charaktere der Serie suchen, ist The Lost Legacy ein absolutes Muss, das auf eigenen Beinen steht.











