Sad Cat Studios hatte mit REPLACED ein klares Ziel: Phoenix City lebendig und gefährlich wirken zu lassen. Und was soll man sagen? Das ist ihnen absolut gelungen. Der 2.5D-Cyberpunk-Platformer erschien am 14. April, und das erste Fazit lautet: Es ist einer der visuell beeindruckendsten Indie-Releases der letzten Zeit. Der Haken an der Sache? Manche dieser wunderschönen Grafiken arbeiten aktiv gegen dich.
Eine Welt, bei der man innehalten muss
Du spielst als REACH, eine Künstliche Intelligenz, die nach einer nuklearen Katastrophe in einem alternativen Amerika der 1980er Jahre versehentlich mit ihrem Schöpfer, Doctor Warren Marsh, verschmolzen ist. Der Schauplatz ist Phoenix City, ein Überwachungsstaat, der von der Phoenix Corporation regiert wird – einem Unternehmen, das den Armen Organe entnimmt, um die Reichen am Leben zu erhalten. Harter Tobak, und das Spiel kostet jede düstere Ecke davon voll aus.
Die 2.5D-Optik ist wirklich außergewöhnlich. Licht filtert durch einstürzende Decken, Schnee weht durch winterliche Wälder, und der Kontrast zwischen den verpixelten Charaktermodellen und der detaillierteren Umgebungsgrafik erschafft einen ganz eigenen Look. Laut dem Review von Destructoid kann sich die Grafik mit Titeln wie Octopath Traveler 0 messen oder diese sogar übertreffen – eine gewagte Behauptung für jeden, der den Artstyle dieses Spiels kennt.
Der Synth-lastige Soundtrack und das wuchtige Sounddesign unterstreichen den Cyberpunk-Thriller-Ton, den Sad Cat Studios ganz offensichtlich anstrebte. Dies ist eine Welt, die langsames Erkunden belohnt, und das Collectibles-System leistet hervorragende Arbeit dabei, die Lore zu vermitteln, ohne dich mit Cutscenes zu erschlagen.
Wo die Schönheit zum Problem wird
Hier wird es kompliziert. Genau diese wunderschöne Grafik kann das Platforming zu einer echten Qual machen. Kanten und Plattform-Indikatoren verschwimmen in dunkleren Abschnitten mit dem Hintergrund, und was eigentlich eine spannende Fluchtsequenz sein sollte, wird zum Ratespiel. Der Tester von Destructoid merkte an, dass er vom Steam Deck auf einen Gaming-Laptop wechseln musste, nur um die Plattformen klar erkennen zu können – und selbst dann kam es regelmäßig zu Toden durch Trial-and-Error, die nicht an mangelndem Skill, sondern an der Sichtbarkeit lagen.
Das Combat-System stößt auf ein ähnliches Problem. Die Brawling-Mechanik macht wirklich Spaß, wobei der Schlagstock von REACH im Spielverlauf neue Fähigkeiten erhält. Die Gegner-Vielfalt macht die Kämpfe interessant: Gepanzerte Brutes erfordern, dass man ihre Panzerung erst entfernt, bevor man Schaden verursachen kann, während flinke Gegner ausweichen, bis man sie kontert. Die Entscheidungen in Sekundenbruchteilen fühlen sich befriedigend an, wenn das Gameplay flutscht.
Die Frustration entsteht durch die Gegner-Platzierung. Es greift immer nur eine begrenzte Anzahl an Gegnern gleichzeitig an, während andere am Rand warten. Das klingt handhabbar, bis man mitten im Kampf auf einen Gegner einschlägt, der technisch gesehen noch gar nicht in den Kampf eingestiegen ist – man schlägt ins Leere und vergibt sein Zeitfenster für einen Counter. Es macht das Combat-System nicht kaputt, sorgt aber für Reibungspunkte, die ein saubereres System nicht hätte.
Die Story hat echtes Gewicht
Was REPLACED auch durch die schwierigeren Momente hindurch fesselnd hält, ist die Story. REACH beginnt das Spiel behütet und fast naiv, und die Entwicklung dieses KI-Bewusstseins mitzuerleben, während es die Wahrheit über seine eigene Erschaffung aufdeckt, ist der stärkste rote Faden des Spiels. Die Nebencharaktere sind moralisch komplex, und die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmt auf eine Weise, die wirklich zum Nachdenken anregt – besonders angesichts der Tatsache, wie sehr KI derzeit die Diskussionen in der realen Welt dominiert.
Side Quests, Mini-Games und Momente mit schwarzem Humor lockern die schwereren Story-Abschnitte auf. Das World-Building funktioniert, weil es in die Erkundung eingebettet ist, anstatt den Spieler zu Beginn mit Informationen zu überhäufen. Die Narrative bietet echte Twists, und das Pacing im Stil eines Detektiv-Thrillers hält das Momentum aufrecht, selbst wenn das Platforming mal ins Stocken gerät.
Für Fans von Cinematic Platformern und dystopischen Thrillern ist REPLACED trotz seiner Schwächen eine klare Empfehlung. Die Sichtbarkeitsprobleme sind real und man sollte sie vor Spielbeginn kennen, aber sie schmälern nicht das, was ansonsten ein selbstbewusstes, stylisches Debüt von Sad Cat Studios ist. Schau dir weitere aktuelle Reviews an, falls du noch überlegst, was du als Nächstes spielen sollst, und falls dich REPLACED gepackt hat, bietet der Guides-Bereich bereits Hilfe für einige der kniffligeren Stellen des Spiels.








