Falls ihr Anfang der Woche die Gaming-News verfolgt habt, dürfte euch eine ziemlich explosive Behauptung aufgefallen sein: Sergiy Grygorovych, Gründer des ukrainischen Studios GSC Game World, sagte in einem YouTube-Interview, dass Microsoft mehr als die gesamten Entwicklungskosten von S.T.A.L.K.E.R. 2: Heart of Chornobyl gezahlt habe, nur um den Titel als zeitlich begrenztes Xbox-Exklusivspiel von der PlayStation fernzuhalten. „Es hat sich schon vor dem ersten Tag amortisiert“, so Grygorovych laut einer maschinellen Übersetzung des ukrainischsprachigen Interviews. Nun hat GSC klargestellt, dass diese Darstellung nicht korrekt ist.
Was Grygorovych tatsächlich behauptete
In dem Interview, das auf dem YouTube-Kanal OLDboi veröffentlicht wurde, schilderte Grygorovych eine Version der Ereignisse, in der Microsoft schnell handelte und tief in die Tasche griff. Seine Erzählung: Der Tech-Gigant hatte Geld im Überfluss, wollte Punkte gegen Sony sammeln und war von der Performance des Reveal-Trailers von Stalker 2 online so beeindruckt, dass der Deal in etwa einer Woche durchgeboxt wurde. „Sie brachten alle Dokumente zur Unterzeichnung in etwa einer Woche vorbei“, sagte er.
Die Implikation war eindeutig. Microsoft zahlte eine Summe, die das gesamte Entwicklungsbudget des Spiels überstieg, nur um es für ein begrenztes Zeitfenster an Xbox und Game Pass zu binden, welches letztlich vom Release des Spiels Ende 2024 bis November 2025 lief.
GSCs formelles Dementi
GSC Game World entschied sich zunächst für Schweigen, gab dann aber eine Stellungnahme ab, in der es hieß, dass das anhaltende Schweigen „als Bestätigung von Informationen wahrgenommen werden könnte, die schlichtweg nicht wahr sind“.
Der Punkt ist: Die Antwort des Studios widerspricht nicht direkt der konkreten Dollar-Summe. Was sie jedoch tut, ist, Grygorovychs Befugnis in dieser Angelegenheit überhaupt zu sprechen, infrage zu stellen. GSC erklärt, dass Grygorovych aufgrund bestehender Vereinbarungen „weder an Verhandlungen mit Partnern bezüglich Stalker 2 noch an der tatsächlichen Entwicklung des Spiels während des gesamten Produktionszyklus beteiligt war“.
Das Studio stellte zudem klar, dass der Großteil des Entwicklungsbudgets vom Studio-Eigentümer Max Krippa stammte und nicht aus dem Exklusivitäts-Deal mit Microsoft. Die Darstellung rückt Grygorovychs Kommentare eher in den Bereich von Vermutungen oder Eindrücken aus zweiter Hand statt fundiertem Wissen.
„Wir haben diese Vereinbarungen unsererseits immer vollständig eingehalten“, so GSC. „Aus diesem Grund können seine Kommentare bezüglich der Aktivitäten des Unternehmens nicht als akkurate Widerspiegelung der tatsächlichen Sachlage betrachtet werden.“
Der komplizierte Kontext hinter all dem
Stalker 2 blickt auf eine der turbulentesten Entwicklungsgeschichten der jüngeren Vergangenheit zurück. Russlands Invasion der Ukraine im Jahr 2022 zwang das Team zur Umsiedlung, verzögerte das Spiel mehrfach und setzte ein Studio unter enormen Druck, das eines der ambitioniertesten Open-World-Spiele entwickeln wollte, das je von einem ukrainischen Entwickler in Angriff genommen wurde. Das Spiel erschien in einem technisch unsauberen Zustand, und GSC verbrachte die darauffolgenden Monate damit, große Patches für Performance, KI-Verhalten, Animationen und mehr zu veröffentlichen.
Dieser Kontext ist hier wichtig. Die Vorstellung, dass Microsoft mit einem Scheck vorbeikam, der die gesamten Entwicklungskosten deckte, während das Studio unter Kriegsbedingungen arbeitete, ergibt eine fesselnde Geschichte. Aber fesselnd und akkurat sind nicht immer dasselbe, und GSC ist sichtlich unwohl damit, dass diese Version zur kanonischen Geschichte wird.
Auch das Verhältnis von Grygorovych zu dem von ihm gegründeten Studio ist nicht unkompliziert. Die Betonung der Stellungnahme, dass er sowohl von Verhandlungen als auch von der Entwicklung ausgeschlossen war, deutet darauf hin, dass es eine interne Historie geben könnte, die prägt, wie beide Seiten diese Geschichte erzählen.
Der aktuelle Stand
Die zeitlich begrenzte Xbox-Exklusivität für Stalker 2 endete im November 2025, und das Spiel ist seitdem für PS5 erschienen. Der Exklusivitäts-Deal selbst ist abgeschlossen. Was bleibt, ist ein öffentlicher Streit darüber, wie dieser Deal zustande kam und wie viel er wert war – mit dem Studio-Gründer auf der einen und dem Studio selbst auf der anderen Seite.
GSC schloss seine Stellungnahme mit einem Satz, der fast wie ein Leitbild klingt: „Wir glauben, dass die Geschichte dieses Spiels auf Fakten basieren sollte, nicht auf Annahmen oder subjektiven Meinungen.“ Das ist eine deutliche Botschaft, die direkt an den eigenen Gründer gerichtet ist.
Für Spieler, die über die laufenden Updates und Content-Drops des Spiels auf dem Laufenden bleiben wollen, bietet die S.T.A.L.K.E.R. 2: Heart of Chornobyl Guide-Sammlung alles, was ihr benötigt, während GSC den Post-Launch-Support fortsetzt.








