Der Epic Games Store hat turbulente Wochen hinter sich. Steve Allison, der acht Jahre lang die Storefront leitete und noch im Februar öffentlich das Programm für kostenlose Spiele verteidigte, verließ das Unternehmen im Juli, um zu Saber Interactive zu wechseln. Das ist ein bedeutender Abgang für eine Plattform, die nie so richtig gegen Valves Steam Fuß fassen konnte.
Epics Antwort? Headhunting bei Blizzard.

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Der Mann, auf den Epic setzt
Martin Keely ist nun VP und GM des Epic Games Store. Er war sieben Jahre lang bei Blizzard Entertainment tätig, zuletzt als SVP mit der Verantwortung für den Battle.net-Launcher – die Plattform, die die gesamte Spielebibliothek von Blizzard verwaltet, einschließlich World of Warcraft, Overwatch 2, Diablo IV und Hearthstone. Um ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen: Battle.net hat weltweit hunderte Millionen registrierte Accounts bedient.
Keely gab den Wechsel auf LinkedIn bekannt und erklärte, er sei „begeistert, mit dem Team neue Funktionen zu entwickeln, die das Erlebnis für Spieler, Creator und Entwickler verbessern.“ Er ordnete die Chance zudem in einem breiteren Kontext ein und beschrieb sie als Möglichkeit, „eine Rolle bei der Gestaltung eines offenen und nachhaltigen Gaming-Ökosystems zu spielen.“
Diese Formulierung ist bewusst gewählt. Epic positioniert den Epic Games Store als entwicklerfreundlichere Alternative zu Steam und verweist dabei auf die 88/12-Umsatzbeteiligung im Vergleich zu Steams Standard von 70/30. Der entscheidende Punkt ist nun, ob Keely dieses Pitch in eine Plattform verwandeln kann, die Spieler tatsächlich bevorzugen und nicht nur von Entwicklern toleriert wird.
Wie Steams Dominanz tatsächlich aussieht
Das Ausmaß des Abstands zwischen Steam und dem Epic Games Store lässt sich kaum überbewerten. Steam erreicht regelmäßig Spitzenwerte von über 30 Millionen gleichzeitigen Nutzern. Der Epic Games Store kam diesen Zahlen nie nahe, und der beständigste Traffic-Treiber bleibt Fortnite, Epics eigenes Spiel. Zieht man die Fortnite-Spieler ab, sinkt die organische Nutzung des Stores beträchtlich.
Epic hat verschiedene Ansätze versucht, um diese Lücke zu schließen. Das Programm für kostenlose Spiele, das Allison vorangetrieben hat, brachte zwar neue Nutzer, aber Daten zeigten, dass nur 16 bis 18 Prozent dieser Nutzer tatsächlich etwas kauften. Das sind hohe Akquisekosten bei geringer Conversion. Epic-CEO Tim Sweeney hat öffentlich gegen die Richtlinien von Steam geschossen und unter anderem dessen Anforderungen zur KI-Offenlegung als „wirklich verantwortungslos“ bezeichnet, doch öffentliche Kritik führte bisher nicht zu einer Abwanderung der Nutzer.
Die Sache ist die: Die Probleme des Epic Games Store liegen derzeit nicht wirklich an der Preisgestaltung oder Exklusivtiteln. Der Plattform fehlen die Social-Features, Review-Systeme, Workshop-Unterstützung und Community-Tools, die Steam eher zu einer Anlaufstelle als nur zu einem Store machen. Genau diese Art von Plattform-Infrastruktur hat Keely jahrelang bei Battle.net aufgebaut.
Was Keelys Hintergrund signalisiert
Battle.net ist kein perfekter Vergleich zum Epic Games Store, aber die Überschneidungen sind signifikant. Beides sind PC-Launcher, die versuchen, eine Spielebibliothek zu bündeln und Spieler zwischen den Sessions zu binden. Battle.net war erfolgreich darin, ein kohärentes Ökosystem um Blizzards Titel aufzubauen – komplett mit Freundeslisten, spielübergreifenden Social-Features und einem Launcher, den Spieler nicht aktiv ungern öffnen.
Was die meisten Spieler übersehen: Das größte Problem des Epic Games Store sind nicht die Spiele selbst, sondern das Erlebnis drumherum. Keelys Hintergrund deutet darauf hin, dass Epic sich dessen bewusst ist und jemanden eingestellt hat, der ähnliche Probleme bereits gelöst hat, anstatt jemanden mit reinem Vertriebs- oder Marketing-Hintergrund.
Zur Einordnung: Blizzard-Spiele wie Hearthstone haben ihre kompetitive Spielerbasis über Jahre hinweg gehalten, auch weil Battle.net die spielübergreifende Identität und soziale Vernetzung so gut handhabt. Falls du neugierig bist, wie sich die aktuelle Meta des Spiels schlägt, unser Guide zu den besten Hearthstone-Meta-Decks analysiert die derzeit stärksten Standard-Builds.
Der Weg für Epics Storefront
Keelys Einstieg behebt nicht automatisch die Probleme des Epic Games Store. Plattform-Vertrauen aufzubauen dauert Jahre, und der Store ist seit 2018 in Betrieb, ohne Steams Vormachtstellung im PC-Gaming ernsthaft zu gefährden. Sweeney hat die Stärken von Steam anerkannt, während er argumentiert, dass Epic „Chancen verpasst“, indem es Fortnite und andere große Live-Service-Spiele nicht auf seiner Plattform hat – doch dieses Argument funktioniert in beide Richtungen.
Die Einstellung signalisiert, dass Epic es ernst meint mit Investitionen in die Infrastruktur des Stores und nicht nur in den Spielekatalog. Ob das bessere Social-Features, verbesserte Discovery-Tools oder eine entwicklerfreundlichere Publishing-Pipeline bedeutet, ist noch unklar. Keelys LinkedIn-Post war optimistisch, aber arm an Details.
PC-Gamer, die den Epic Games Store zuvor gemieden haben, haben guten Grund, die Entwicklung zu beobachten. Wenn Keely auch nur einen Bruchteil dessen, was Battle.net funktional gemacht hat, auf Epics Plattform überträgt, könnte sich die tägliche Nutzung des Stores spürbar verbessern. Durchstöbere unsere Gaming-Guides für weitere Berichterstattung, während sich die Situation um den Epic Games Store weiterentwickelt.








